Die Leistungsfähigkeit industrieller KI hängt vollständig von der Qualität und Vielfalt der Daten ab, aus denen sie lernt. In der Praxis sieht die Realität jedoch oft anders aus: Es gibt zu wenig nutzbare Daten, die verfügbaren Informationen sind sensibel oder bestimmte Beispiele fehlen ganz – insbesondere bei seltenen Ausfällen, gefährlichen Szenarien oder neu entwickelten Maschinen. Ohne diese Basis können selbst modernste KI-Modelle keine zuverlässigen Ergebnisse liefern.
Synthetische Daten bieten hier einen Ausweg. Durch die virtuelle Nachbildung industrieller Umgebungen und Produktionsprozesse können Ingenieure künstliche Datensätze erzeugen, die die Komplexität der Realität widerspiegeln – ohne Maschinen anzuhalten, Mitarbeiter Risiken auszusetzen oder auf seltene Ereignisse warten zu müssen. Ob für vorausschauende Wartung, Anomalieerkennung oder automatisierte Inspektionen – synthetisch erzeugte Bilder, Sensordaten und Zeitreihen verändern die Art und Weise, wie Unternehmen KI entwerfen und skalieren.
Warum die Industrie synthetische Daten benötigt
Industrielle KI lebt nicht allein von ausgefeilten Algorithmen. Ihr Wert hängt maßgeblich von der Herkunft und Tiefe der Trainingsdaten ab – vor allem davon, ob sie das gesamte Spektrum der betrieblichen Realität abbilden.
Unter synthetischen Daten versteht man hier künstlich erzeugte Datensätze, die physikalische Eigenschaften, Materialverhalten, Umwelteinflüsse und Produktionsanomalien imitieren – ohne jemals von einer realen Fabrik gesammelt worden zu sein. Mit Hilfe von Simulationsplattformen, digitalen Zwillingen oder generativen KI-Modellen entstehen Datensätze mit annotierten Bildern, Bounding Boxes, Klassifikationszielen oder synthetischen Sensordaten.
Im Gegensatz zu Testdaten besitzen synthetische Datensätze realistische Strukturen, statistische Verteilungen und natürliche Variationen. Damit eignen sie sich besonders gut für neuronale Netze in Bereichen wie:
- Qualitätskontrolle – Erkennung von Rissen, Oberflächenfehlern oder Kratzern
- Robotik – Navigation und Handhabungsaufgaben
- Predictive Maintenance – Erkennen schwacher Anzeichen in Maschinendaten
- Sicherheitskritische Systeme – Gefahrenerkennung oder automatische Abschaltung
Das Ergebnis: maßgeschneiderte Datensätze auf Abruf – ohne Stillstand, ohne Datenschutzprobleme, ohne manuelle Annotation.
Warum künstliche Daten oft überlegen sind
Das Sammeln realer Industriedaten ist häufig unpraktisch: teuer, zeitaufwendig und mitunter gefährlich. Für Aufgaben wie Fehlererkennung wären Jahre an Beobachtung in unterschiedlichsten Bedingungen erforderlich. Seltene Sonderfälle treten womöglich gar nicht während der Tests auf.
Synthetische Daten umgehen dieses Problem. Anstatt auf seltene Ereignisse zu warten, nutzen Unternehmen Simulation, 3D-Modellierung und KI-gestützte Workflows, um Produktionsszenarien digital nachzustellen. So entstehen umfangreiche Datensätze mit allen benötigten Variationen.
Die wichtigsten Vorteile:
- Geringere Kosten, schnellere Ergebnisse
Sensorik, Tests und manuelle Annotation sind teuer. Synthetische Daten senken die Kosten für KI-Projekte um 60–80 % und verkürzen die Entwicklungszeit von Monaten auf Tage. - Skalierbarkeit für Industrie 4.0
Neue Produktlinien oder Maschinen erfordern keine erneute Datensammlung. Anpassungen in der Simulation erzeugen sofort neue Trainingsdaten. - Sicherheit ohne Risiko
Gefährliche Szenarien wie Gaslecks oder Kurzschlüsse lassen sich virtuell simulieren, sodass KI-Systeme lernen können, Gefahren rechtzeitig zu erkennen – ohne Risiko für Mensch oder Anlage. - Datenschutz und IP-Schutz
Da synthetische Daten keine sensiblen Informationen enthalten, können sie sicher innerhalb und außerhalb des Unternehmens geteilt werden – konform mit GDPR und ohne Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen.
Wie synthetische Daten erzeugt werden
Die Erstellung hochwertiger synthetischer Datensätze erfordert weit mehr als einfache Grafiken. Sie basiert auf modernen generativen Modellen, präziser Simulation und physikalisch akkurater Modellierung.
Generative Modelle im Zentrum
- GANs erzeugen realistische Defekte oder Abnutzungsmuster.
- VAEs erweitern Datensätze durch Variationen wie Licht oder Texturen.
- Diffusionsmodelle liefern hochdetaillierte, steuerbare Bilder.
Simulation als Brücke zur Realität
Plattformen wie NVIDIA Omniverse bilden komplette Produktionslinien nach – inklusive Maschinen, Materialien und Umgebungsbedingungen. So lassen sich KI-Modelle unter tausenden Szenarien trainieren und testen.
Skalierung durch Cloud
Die Rechenleistung ist enorm. Cloud-Plattformen wie AWS oder Azure stellen flexible GPU-Cluster bereit und ermöglichen auch mittelständischen Herstellern den Zugang zu High-End-Simulationen.
Anwendungsfelder
- Qualitätsprüfung: Automobilhersteller simulieren Defekte und steigern so die Erkennungsgenauigkeit um bis zu 40 %.
- Predictive Maintenance: Simulierte Turbinenabnutzung reduziert Ausfallzeiten um bis zu 25 %.
- Robotik: Roboter trainieren in virtuellen Fabriken Navigation und Handhabung, bevor sie real eingesetzt werden.
- Notfallszenarien: KI-Systeme lernen Reaktionen auf Brände, Lecks oder Druckspitzen ohne reale Tests.
Herausforderungen
Trotz aller Vorteile gibt es Hürden:
- Hoher Initialaufwand: Exakte CAD-Modelle und physikalische Daten sind nötig, ältere Maschinen fehlen oft.
- Sim-to-Real-Gap: Unterschiede zwischen Simulation und Realität können Modellgenauigkeit mindern.
- Fachkräftemangel: Simulation, KI und Prozesswissen sind seltene und teure Kompetenzen.
In vielen Fällen bietet sich daher ein hybrider Ansatz an – die Kombination von synthetischen und realen Daten.
Die Rolle von Linvelo
Synthetische Daten verändern bereits die industrielle KI – von Inspektionen über Wartung bis zu Sicherheitssystemen. Doch erst mit Infrastruktur und Know-how entfaltet sich ihr volles Potenzial.
Linvelo unterstützt Sie dabei. Über 70 Ingenieure und KI-Experten begleiten Projekte von Simulation bis zur skalierbaren Implementierung. Ob digitale Zwillinge, Domain Randomization oder Datengenerierung – wir verwandeln Ideen in messbare Ergebnisse.
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FAQ
Was sind synthetische Daten in der industriellen KI?
Es handelt sich um künstlich erzeugte Daten – z. B. Sensordaten, Materialverhalten oder Bilder – die ohne reale Produktionsdaten erstellt werden.
Wann sind sie sinnvoll?
Vor allem, wenn reale Daten rar, teuer oder riskant zu erheben sind, z. B. bei seltenen Defekten oder kritischen Szenarien.
Wie hoch ist der Aufwand?
Teams mit digitalen Modellen können innerhalb weniger Wochen starten. Andere benötigen mehr Zeit, um digitale Zwillinge aufzubauen.
Können synthetische Daten geteilt werden?
Ja. Sie enthalten keine sensiblen Informationen, sind GDPR-konform und können sicher zwischen Standorten und Partnern genutzt werden.

